Hammelburger-Album

Ein Fürst der Buchdruckerkunst im 16. Jahrhundert

von Marianne Ehling



Johannes Frobenius wurde 1460 im fränkischen Städtchen Hammelburg geboren und war Landsmann von Johann Petri und Johann Ammerbach. Über seine Jugend ist nur wenig bekannt. Er erlernte beim Buchdrucker und Verleger Anton Kohberger in Nürnberg das Formenschneiden.

Sein Freund, der junge Hans Holbein, malte den - im landläufigen Sinne - nicht eben schönen Mann, dessen Bild noch heute im Rathausremter von Hammelburg hängt. Hart schiebt sich das Kinn in seinem Gesicht vor, und knollig wirkt seine Sattelnase: Züge, die Holbein in seinem Werk abmilderte.

Vornehm wirkte dagegen die Gesamthaltung des Druckerherrn, der in seinem pelzverbrämten Mantel eine Ähnlichkeit mit Erasmus von Rotterdam aufweist. Das Portrait beherrschen die prüfenden Augen, die - sei es gewollt oder nicht - das Fluidum eines geistigen Menschen widerspiegeln.

1490 ging Frobenius nach Basel, um als Famulus bei Drucker Johannes Ammerbach zu arbeiten und erwarb dort die Bürgerrechte. Ein Jahr später kam sein erster eigener Druck heraus - die „Biblia latina“ . 1492 erfolgte die Aufnahme in die Safranzunft als „Johanneß der Bouchtrucker“.

In den folgenden Jahren bis 1496 gab es nur wenige eigene Drucke. Danach bildete Frobenius eine Druckergemeinschaft mit Johannes Petri. Im Jahre 1500 heiratete der Hammelburger zum ersten Male. Bereits ein jahr später wurde sein Sohn Hieronymus geboren. Von 1502 bis 1512 gründete Frobenius zusammen mit Ammerbach und Petri eine weitere Druckergemeinschaft, die in den nächsten Jahren eine sechsbändige Folio-Bibel herausbrachte.

Über den Tod seiner ersten Frau ist nichts bekannt. Jedoch heiratete Frobenius im Jahre 1510 ein zweites Mal - eine Tochter des Buchführers Wolfgang Lachner mit Namen Gertrud. In den Jahren 1511 und 1513 verstarb zunächst Johann Petri, dann Johann Ammerbach; die verlagsgemeinschaft wurde aufgelöst.

Titelseite des Buches „Naturalus Historia“ von Plinius d. Älteren, das 1549 von Frobemius gedruckt wurdeKein Geringerer als Erasmus von Rotterdam besuchte im August 1514 Johannes Frobenius in seinem Haus „Am Sessel“ in Basel und blieb - mit Unterbrechungen bis 1516. Das Druckerzeichen, der „Schlangenstab“, entwarf damals Urs Graf. Es beinhaltete den Leitsatz: „Kluge Einfalt und Liebe zum Guten“.

Der zweite Sohn Frobenius' wurde 1515 geboren und erhielt den Namen Erasmus, wobei Erasmus von Rotterdam Pate stand. Die Jahre 1516 bis 1520 waren von Schaffenskraft geprägt. Davon zeugt beispielsweise die Herausgabe des Neuen Testaments im griechischen Urtext. 1521 lässt sich auch Erasmus von Rotterdam in Basel nieder, das damit ein Zentrum der Buchdruckerkunst wird.   

Im privaten Bereich scheinen die Familienverhältnisse im Hause Frobenius nicht ganz ungetrübt. Der Vater und sein 20jähriger Sohn verstehen sich nicht gut. Erasnus von Rotterdam vermittelt zwischen den beiden und ermahnt den Sohn, seine Zeit gut zu nutzen und im Geschäft des Vaters mitzuarbeiten, nicht aber die Gesellschaft von Schlemmern und Müßiggängern zu suchen. Hiereronymus bedankt sich dafür, dass sein Vater ihm nunmehr wieder geneigter ist.

1521 geschah es dann, dass Frobenius von einer Bücherleiter direkt auf den Steinboden des Zimmers fiel und sich am Kopf verletzte. Davon erholte er sich nicht mehr so recht, und kein Geringerer als Paracelsus behandelte den Leidenden. 1527 stirbt Johann Frobenius an den Folgen eines Schlaganfalls nach einem neuerlichen Unfall.

Die Geschäfte wurden zunächst von seinem Sohn Hieronymus und dessen Schwager und bis 1587 von den Enkeln Aurelius und Ambrosius weitergeführt. Unter ihrer Leitung kam der Talmud heraus. 1587 wird der Name Froben letztmalig in einem Frankfurter Messekatalog genannt

Die Familie Frobenius ist vermutlich mit den Kindern des Friedrich Emmanuel (gest. 1757) im Mannesstamm erloschen. Nicht erloschen ist durch die Jahrhunderte die Wertschätzung der Hammelburger für ihren großen Sohn. Durch die Unterstützung der Bibliothek Schweinfurt, der Klöster Altstadt und Dietfurt sowie verschiedener Bibliotheken in Freiburg und Mainz konnte ein Überblick des Schaffens von Frobenius in allen Phasen zusammengetragen und in einer Ausstellung vereinigt werden.

Der 500. Geburtstag Frobenius' wurde 1960 in Basel wie auch in Hammelburg mit einem Empfang prominenter Basler Gäste im Rathausremter feierlich begangen. Der Kultusminister von Basel hielt die Laudatio. Bei einer Besichtigung im Rathaus in Hammelburg empfiehlt es sich, das Gemälde von Johann Frobenius, das Fritz Ringelmann Mitte des vergangenen Jahrhunderts schuf, genauer in Augenschein zu nehmen. Johann Froben,  Mitbegründer der Buchdruckerkunst - ein Hammelburger.

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