Hammelburger-Album

 

Abschrift aus dem Notizbuch von Anton Bethäuser (1865 - 1949)
Obermatrose der Kaiserlich-Deutschen Marine 1883 - 1887
abgeschrieben von Anna Bethäuser 1991
 
Meine erste Seereise an Bord S.M.S. Kreuzercorvette "Ariadne"


Am 15.Juli 1884 schiffte ich mich zum ersten Male an Bord eines Kriegsschiffes ein und war dieses Schiff die Kreuzercorvette "Ariadne". Dieselbe war als Schulschiff für vierjährige freiwillige Matrosen in Dienst gestellt und bestimmt, den Übungen des Geschwaders beizuwohnen, Nach den Geschwaderübungen erhielten wir Ordre, das Westafrikanische Geschwader mitzumachen. Nachdem das Schiff ausgerüstet war, gingen wir am 14.Oktober in den Vorhafen, nahmen daselbst Munition, und am 15. gingen wir auf Reede, wo das Schiff und die Mannschaft von dem Chef des Westafrikanischen Geschwaders Herrn Contre-Admiral Knorr inspiziert wurde.

Am 30.Oktober frühmorgens 8 Uhr gingen das Westafrikanische Geschwader, bestehend aus den beiden Kreuzerfregatten , „Bismarck“ und „Gneisenau“ und den beiden Kreuzercorvetten „Ariadne“ und „Olga“ Anker auf und steuerten in der Richtung nach Plymouth, Am 2.November frühmorgens 9 Uhr passierten wir Dover - Calais, dampften weiter und passierten um 10 Uhr Folkestone, wo 1878 Panzerthurmschiff "Großer Kurfürst" mit der Panzerfregatte "König Wilhelm" zusammenstieß, wobei letzerer glücklich davonkam und ersterer untergehen mußte, wobei 350 Menschen zugrunde gingen.

Die S.M.S. AriadneAm 3.November frühmorgens 8 Uhr meldete der Posten auf der Vormast: "Land in Sicht steuerbord". Um 1/2 l2 Uhr gingen wir in Plymouth, England, vor Anker, nahmen daselbst von 4 bis 5 Uhr des Nachts Kohlen über, und gingen am 9. November wieder in See, steuerten in der Richtung nach Madeira, wo wir nach siebentägiger Fahrt ankamen und ankerten. Dort trafen wir das englische Geschwader, bestehend aus 7 großen Panzer- und einem Transport-Dampfer "London". Das Flaggschiff "Minotaur" hatte 5 Masten und 500 Mann Besatzung.

Am 18.November nahmen wir wieder Kohlen. Funchal, die Stadt auf der Insel Madeira, liegt auf einem Berge dicht am Meer. Alles steile Berge, sehr gutes Klima und sehr fruchtbar. Am 14. war ich daselbst auf Urlaub und besah mir unter anderem den Garten der Kaiserin von Österreich, den Friedhof und die Kirchen, die alle katholisch sind.
Die Insel ist von Portugiesen bewohnt. Einen seltsamen Eindruck macht auf dieser Insel das Schlittenfahren, trotzdem man hier keinen Schnee kennt. Der Boden und das Pflaster besteht nämlich aus kleinen schwarzen Steinen, die wegen ihrer Glätte das Fahren mit Wagen unmöglich machen.

Am 15. hatte der Pfarrer, der ein Rheinländer ist, die katholische Mannschaft zur Kirche eingeladen, wo er in seiner Muttersprache, was er seit 12 Jahren nicht mehr getan, predigte und eine Hl.Messe las.

Am 16.November gingen wir Anker auf, und wiederum nach siebentägiger Fahrt erreichten wir am Sonntagmorgen, 23.November, Porto Grande (St. Vinzenz), woselbst wir uns zu Anker legten. Am 25. erhielt ich Urlaub und konnte mich nicht genug über die Neger freuen.

Die Insel St. Vinzenz ist gänzlich unfruchtbar, alles kahle steile Felsen, welche eine sehr romantische Ansicht gewährt, besonders der schlafende Riese und das an der Hafeneinfahrt gelegene Eiland. Am 26. , 27. und 28.November hatten wir großes Landungsmanöver geübt.

Am 30. November löste sich das Geschwader auf und gingen wir noch denselben Nachmittag in See. Nachdem wir Anker auf gegangen waren, setzten. wir a l l e Segel und segelten bis zum 5, Dezember. An demselben Tage Segel fest und Dampf aufgemacht. Am 6. war scharfes "Klar Schiff" . So dampften wir weiter bis zum 9. Dezember, als wir Land in Sicht bekamen. Wir gingen wieder zu Anker in Monrovia, Negerrepublik Liberia (6 Grad nördl. Breite)

Am 14. Dezember stattete der deutsche Consul nebst Frau, einer Mulattin, einen Besuch an Bord „S.M.S. Ariadne“ ab.