Hammelburger-Album


Lang und beschwerlich war die Schifffahrt nach Übersee und zu den Kolonien in Südwestafrika im 19. Jahrhundert wie hier mit einem Dampfer der Woerman-Linie - auch für die Post.Da es uns sehr an Zeit fehlte, und wir dazu eine Behandlung hatten, wie sie nicht schlechter sein konnte, und einem dabei die Lust an allem verging, so machte ich weiter keine Bemerkungen mehr, doch kann ich mich jetzt, nach vollendeter Reise, noch an alles erinnern.
Die Ordre des Geschwaders war, verschiedene Länder an der Westküste unter deutsches Protektorat zu steilen und die deutsche Flagge zu hissen.

Ende Dezember brachte uns der Kapitän eines Woermann'schen Dampfers die Nachricht, daß der König von Kapitai den Wunsch geäußert, sein Land unter deutschem Schutz zu haben. Wir gingen deshalb am l. Weihnachtsfeiertagabend, nachdem wir 7 Neger geholt, die in das Brandungsboot sollten, Anker auf. Da unsere Abreise nicht bemerkt werden sollte, so geschah dies bei Nacht, ohne daß Passitwas-Laternen gefahren wurden, Erst steuerten wir falschen Kurs, doch als wir nicht mehr bemerkt werden konnten, ging es mit Volldampf und vollen Segeln unserem! Ziel zu. Nach mehreren Tagen waren wir an Ort und Stelle, d. h. wir lagen noch 20 miles. von Land ab, da wir wegen der geringen Wassertiefe 6 m nicht dichter unter Land konnten. Folgenden Tages wurden alle Boote ausgesetzt. mit ausgesuchten Leuten armiert. Jeder erhielt 20 Patronen, denn wir dachten nicht anders. als daß nun die Schwarzen angreifen würden. Mit banger Erwartung lauerten die Zurückgebliebenen auf die Heimkehr der Boote, denn alle dachten nicht anders, als daß nun das Gefecht mit den Schwarzen beginnen würde, Doch die Hoffnung ging nicht in Erfüllung, denn die Neger machten nicht die geringste Miene zu einem Angriff. Im Gegenteil, sie waren sehr freundschaftlich, und so war unserem Kommandeur seine Mission bald zu Ende. Schon nächsten Tag nach seiner Zurückkunft an Bord wollte er das Land unter Deutschen Schutz stellen und die Flagge hissen. Jeder wollte nun gerne mit an Land, um diesen Akt mitzumachen, aber das Los entschied nur wenige. Ich war leider nicht darunter. Am Neujahrstag früh zur Musterung alle Mann achteraus und der erste Qffizier hielt eine feierliche Anrede, enthaltene, daß am heutigen Tag der Kommandant S,M.S. Ariadne zum erstenmal nach so langer Zei t (die Seit des großen Kurfürsten) die deutsche Flagge gehisst, und dies der Nachwelt von großer Bedeutung sei. Mit einem dreimaligen Hurra auf S. M. den Kaiser und das neue deutsche Land schloß die Anrede .
Nach 2 Tagen kehrte der KomnandanT und die Bootsbesatzung zurück. Uns konnten dieselben nicht genug erzählen, was sie gesehen und gehört haben.

Tags darauf kam ein Dampfer von der in Kapitai bestehenden Faktorei Wörmann und brachte uns die Könige von Kapitai und Soba mit ihren Ministern und Kriegern in phantastischer Kleidung oder meist nackt an Bord, um den Kontrakt abzuschließen. Auch erhielten wir 7 afrikanische Ochsen, die uns sehr willkommen waren. Einige Zeit nach Ankunft der seltsamen Gäste wurden alle Mann aufgepfiffen, klar zum Manöver. "Kerls", sagte der erste Offizier, "zeigt diesen Schwarzen, was ein deutsches Kriegsschiff zu leisten im Stande ist" . Groß war das Erstaunen der Neger über das Segelexerzieren, sowas hatten sie noch nie gesehen. Doch ihr Erstaunen sollte noch größer werden, als zum "Klar Schiff" angeschlagen wurde. In 6 Minuten war das Schiff klar zum Gefecht. "Batterieweise feuern" kommandierte der Batterie-Offizier. Alle Geschütze wurden zugleich geladen und "Feuer". Mit einem Ruck donnerten sämtliche Geschütze. Die Neger waren außer sich vor Erstaunen. Den nächsten Tag setzten wir die Reise mit der ganzen schwarzen Gesellschaft fort, um nach eintägiger Fahrt im "Königreich Soba" die deutsche Flagge zu hissen.
Ein Woermannscher Dampfer brachte den König von Kapitai und dessen Begleitung wieder nach dahin zurück. Mehrere, darunter auch der Bruder des Königs, wollten gerne mit nach Deutschland, doch gab das unser Kommandant nicht zu.