Hammelburger-Album
Die Amerikaner standen bereits kurz vor Hammelburg und die Bevölkerung hatte den Krieg schon mehrere Male unmittlbar zu spüren bekommen.
Am Donnerstag, den 5. April 1945, nahm die Fliegertätigkeit noch mehr zu. Schon am Morgen gab es neue Brände am Viehmarkt und am Linsenhügel. Um 1/2 1 Uhr wurde auch die Kirche getroffen und die wertvollen Glasmalereien des Chores zerfielen zu Splittern. Die Bevölkerung begann zu flüchten.
Bereits am gleichen Tag hatte die Wehrmacht Sprengladungen im Progymnasium eingelagert. Sie wurden zum Teil heimlich beseitigt. Der Bahnangestellte Weiß kam wegen seines Protestes gegen die Sprengung vor ein Standgericht, das ihm aber Bewährung zubilligte Doch die Brücke konnte nichts mehr retten. Um 18 Uhr des Freitags gab der zuständige Wehrmachtsoberst den Befehl zur Zündung und ein uraltes Symbol der Bedeutung Hammelburgs als wichtiger Flußübergang (mit wertvollen Figuren aus dem 18. Jahrhundert) sank in Trümmer. (Text nach K. Brandler)

US-Panzer auf der Saalebrücke

Am 27. März 1945 fuhren zum ersten Mal amerikanische Panzer über die Saalebrücke. Ihr Auftrag war, Oberstleutnant Waters, den Schwiegersohn von General Patton, aus dem Gefangenenlager am Lagerberg zu befreien. Weil sie irrtümlicherweise über die Brücke in die Stadt gefahren waren, mussten sie wieder umkehren.

Zu diesem Zeitpunkt hätte die Brücke schon gesprengt sein sollen, aber die Zündung hatte versagt. (Foto Archiv Kirchner)

Die Brückenkammer
Die Sprengladung wurde am 6. April 1945 gegen 18 Uhr von einem deutschen Sprengkommando in der Brückenkammer gezündet.
Die Kammer war von beiden Seiten zugänglich. In ihr stand eine steinerne Bank. Der Verwendungszweck der Kammer ist unsicher. (Foto Archiv Kirchner)
Die gesprengte Saalebrücke
Die gesprengte alte Saalebrücke. Das Foto wurde retuschiert, um einen anschaulichen Eindruck von der gesprengten Brücke zu vermitteln. (Foto Archiv Kirchner)
Franz Weiß
Volkssturmmann Franz Weiß wollte die Sprengung der Brücke verhindern und musste sich deshalb vor einem Standgericht verantworten.
Er kam nach einer Bewährungsprobe mit dem Leben davon. (Foto Archiv Kirchner)
Behelfsbrücke
Die von amerikanischen Pionieren errichtete Notbrücke aus Holz hatte bis 1955 Bestand. (Foto Archiv Kirchner)

Um das Schicksal der alten Saalebrücke

Am 14. Juli 1955 fand — entsprechend dem durch Landrat Adam Kaiser gestellten Antrag — eine Besprechung wegen der Erhaltung der alten Saalebrücke an Ort und Stelle statt. Es waren anwesend: Reg. Rat Dr Balles — Oberbaurat Gsundbrunn vom Reg. Tiefbauamt - Baurat Schmidt vom Wasserwirtschaftsamt - Direktor Gärtner vom Strassenbauamt Schweinfurt mit Reg. Baumeister Brunner — und Reg Heimatpfleger Dr. Pampuch. Stadt und Landkreis Hammelburg waren vertreten durch Landrat Adam Kaiser, Reg. Rat Dr. Zerrat, Bürgermeister Karl Kaiser, Stadtrat Walter Gerhart (für den Fremdenverkehrs - Verein), Stadtrat Hohmann und St. Prof. Brandler (als Kreisheimatpfleger).
Reg. Rat Dr. Balles führte aus, die Kardinalfrage sei, ob sich jemand bereit erkläre, die erheblichen Kosten für die Unterhaltung der alten Brücke neben der neuen aufzubringen, was alle Stellen bis jetzt abgelehnt haben. Die Angelegenheit dränge sehr, da die Baufirma sonst wegen Zeitverlust Ansprüche stelle. Von Dir. Gärtner wurde betont, daß die provisorische Holzbrücke, von den Amerikanern schnell und ohne sachgemäße Imprägnierung der Rammpfähle erstellt, verkehrsunsicher geworden sei und sofort entfernt werden müsse, Auch für einen bloßen Fußgängerverkehr ist sie unzulässig. Außerdem ist der westliche Teil der Steinbrücke vollkommen baufällig und wird nur durch Stützen noch gehalten. Ein Ersatz der Holzbrücke würde mindestens 120000DM Kosten erfordern, eine steinerne — Anschlußbrücke mehr als 200000 DM.
Es wurden nochmals alle Möglichkeiten erwogen und durchgesprochen, den Restteil der alten Brücke bestehen zu lassen und Bürgermeister Kaiser erklärte, daß der Stadtrat in der Abendsitzung über die Kostenfrage entscheiden werde. Reg. Heimatpfleger Dr. Pampuch gab zu bedenken, daß eine Restbrücke ohne Anschluß ein in landschaftlichem Sinne unbefriedigendes Bild ergeben müsse, so daß diese Torso - Lösung die hohen Kosten nicht rechtfertige. Dies ist auch die Ansicht des Landesamts für Denkmalpflege. Sogar der Betrieb einer Fähre, anstelle der Holzbrücke, wurde erwogen.
Der Fremden — Verkehrsverein plädiert vor allen für einen ruhigen Spazierweg außerhalb des Brückenverkehrs. Dem wurde Rechnung getragen : am Wegstück zwischen Brücke und Linde soll noch ein Fußweg angelegt werden, dessen Kosten die Stadt übernehmen würde.
Es wurde dann ein Schreiben des Graphikers Eugen Weiß verlesen, der unter allen Umständen die Erhaltung der Reste verlangt. Für die Aufbringung der Kosten, schlägt er eine Bausteinaktion vor. Die Kosten (s.o.) können aber durch Sammlungen nicht aufgebracht werden. Baurat Schmidt vom Wasserwirtschaftsamt erklärte eindeutig, daß er aus Gründen der Sicherheit für die neue Brücke gegen ein Bestehenbleiben von Resten der alten Brücke schärfstens Einspruch erheben werde.
Der Stadtrat sah sich am Abend desselben Tages außer Stande, die Kosten der Erhaltung zu übernehmen. Mit diesem Beschluß war der Untergang der Flutbrücken (aus den Jahren 1526 und 1682) besiegelt.
(aus Heimatblätter 1955/2)