Hammelburger-Album

Seine Verdienste im Bildungswesen sind besonders hervorzuheben.

Fulda hatte eine lange Bildungstradition seit der Gründung des Reichsklosters im Jahre 744 und seines ersten Abtes Sturmius. Hier war Dalberg wieder der Gestalter. Es war die Zeit gekommen, Reformen in den Studiengängen für zukünftige Weltgeistliche und den Klerikernachwuchs durchzusetzen. Zu den Jesuiten hatte Dalberg ein gespanntes Verhältnis. Lehrmeinungen prallten aufeinander. Er machte das Beste aus ihrer Anwesenheit und kooperierte dann, wenn es ihm richtig erschien. Jesuiten waren streitbar.

fulda uni1733 richtete er die Universität Fulda ein. Sorgte für die Genehmigung durch Papst und Kaiser. Unterlief die Forderung des Papstes, eine Jesuitenuniversität einzurichten. Nur mit Genehmigung von Papst und Kaiser, konnten akademische Grade verliehen werden. Bedauerlich, dass die Universität 1805 aufgelöst wurde. Das lag an Wilhelm Friedrich Prinz von Oranien-Nassau. Er regierte ab 1802 knapp vier Jahre in Fulda. Ihm schwebte ein Polytechnikum vor. Daraus wurde nichts. Für die klassischen Fakultäten Theologie, Philosophie, Medizin und Jura hatte Wilhelm Friedrich nichts übrig. Fulda war für ihn, den Karrieremann, lediglich ein Sprungbrett für die Königswürde in den Niederlanden als Wilhelm I der Niederlande. Er gilt als der Gründer der ersten evangelischen Gemeinde in Fulda. Das Gemeindehaus in Fulda heißt heute noch Haus Oranien.

Adolf v. Dalberg ließ 1733 die Englischen Fräulein nach Fulda kommen. Aus München kam eine Anfrage voraus. Dalberg hatte Sorge, dass die Damen ihn über kurz oder lang um finanzielle Unterstützung bitten werden. Er beugte vor und verfügte: ja, in Fulda erwünscht, aber keine Unterstützung aus der Staatskasse. Er sorgte dennoch für zwei Häuser am Buttermarkt in Fulda, die er ihnen dann kostenlos überließ.

Vom Start weg hatten die Englischen Fräulein Erfolg. Einhundertdreißig Mädchen wurden im ersten Jahr aufgenommen. Verließen sie die Ausbildung, waren sie erzogen und geformt. Für ihre Männer, wenn sie denn in den heiligen Stand der Ehe eintraten, eher Partner und für die Kinder eine Mutter, die ihnen mehr mitgeben konnte, als wenn sie, die Schülerinnen der Englischen Fräulein, über Häusliches nicht hinausgekommen wären.

Dalberg wusste um die Bedeutung der Bildung für die Weiterentwicklung des Menschen. Wo Bildung, dort ein erweitertes Bewusstsein. Der Mensch kann seiner Bestimmung näher kommen, wenn er kraft seines Denkens auch die Verantwortung für sich und sein Handeln übernehmen kann. Dann tritt er auch seinem Nächsten gegenüber so auf, dass gutes Miteinander im Grundsatz möglich ist. Wer sich kennt, kann sich auch in seinen Nächsten hineinversetzen. Er wird Emotionen kontrollieren können und ihm steht ein ganz anderes Instrumentarium zur Verfügung um Menschen zu führen, anzuleiten und nun sage ich es frm.: Am Tempel der Humanität zu bauen.

Das leidige Geld

Man fragt sich, wie Dalberg alle seine Vorhaben finanzierte. Sein Vorgänger hatte bereits mit der Landvermessung begonnen. Er verschärfte das Arbeitstempo der Landvermesser. Jetzt hatte Dalberg und seine Verwaltung eine neue Grundlage für die Steuererhebung. Davon machte er Gebrauch. Die Steuereinnahmen gingen nach oben.

Ihm wird nachgesagt, dass er auf eine sparsame Hofhaltung achtete. Das war in dieser Zeit des Prunks und der höfischen Ausschweifungen nicht selbstverständlich. Trotzdem, Erwartungen an den Stil eines Landherrn in seiner Zeit, die musste er erfüllen.

Was wieder ein Licht auf ihn wirft, ist seine Anordnung, dass Neuvermählte an den Chausseen des Fürstentums Apfelbäume pflanzen mussten. Er ging hinab auf die Ebene der Streuobstwiesen um die er sich kümmerte. Das alles steht für seine der realen Welt zugewandte Seite, in der die Menschen leben, lieben und leiden.