Hammelburger-Album

Welche Position nahm Adolf von Dalberg gegenüber der Papstkirche ein? Er erwies zwar dem Papst den nötigen Respekt im Schriftverkehr, aber gerade, sagen wir mal an der unteren Grenze, um nicht gemaßregelt zu werden.

Eine geistliche Erneuerung sollte von seiner Kirchenprovinz ausgehen. Auf seine Universität setzte er große Hoffnungen. Auswahl der Professoren, Gastprofessoren aus Salzburg, Benediktiner bevorzugt, Lehrpläne, Lehrbücher und Lerninhalte Das waren Steuerelemente, die der Fürstabt einsetzte um die Studenten in seinem Sinne zu formen.

Auseinandersetzungen mit den Jesuiten waren unvermeidbar. Kein Jesuit bekam einen Lehrauftrag. Er wollte den Kanoniker. Es sollten die Bischöfe sein, die als Vertreter höchster kirchlicher Autorität auftreten. Dieser Episkopalismus stand im Gegensatz zur universalen Papstkirche, deren höchstes Anliegen die Erhaltung des Glaubens in der Einheit war.

Eine Hexenverbrennung in der Zeit Dalbergs ist nicht bekannt. Dafür war er viel zu aufgeklärt. 1749 fand dagegen in Würzburg noch solch ein Strafgericht statt.

Dalberg war ein Reichsfürst, dem die Nähe zum Reich und zum Kaiser wichtiger war als die inquisitorische Papstkirche. Seit den Tagen eines Karls des Großen war es die Reichskirche als stärkste Stütze für König und Kaiser. Fulda war zunächst einmal ein Reichskloster. Dalberg hatte das nie vergessen. Diese Einstellung war auch in der Familiengeschichte begründet.

Das Hochstift war bei allen Reichstagen später auch bei dem „Ständigen Reichstag“ anwesend. Wenn der Fürstabt nicht selbst reiste, vertrat zumindest ein Gesandter das Territorium.

Das Treueverhältnis wird heute noch sichtbar. Es ist der Staat, der die Bischöfe besoldet, nicht die Kirche. Die Gläubigen können der Kirche davonlaufen, aber das Staatsvolk existiert und zahlt die Dotationen.

Sein Vorgänger im Amt, Konstantin von Buttlar, hatte ständig einen Agenten in Rom für Lobbyarbeit. Immer bestrebt, das seit Bonifatius Tagen angesehene Kloster und Hochstift Fulda im Vatikan im Gespräch zu halten. Adolf v. Dalberg rief den Mittelsmann zurück. Papsthörigkeit? Es kam vor, dass er Maßnahmen anordnete, die nach kanonischem Recht der Papst genehmigen musste. Er hat „vergessen“ Rom zu verständigen. Oder er ließ in einer Sache nachfragen, wartete die Antwort nicht ab, die Sache war entschieden. Der Nuntius in Köln kam mehrfach zu Visitationen nach Fulda. Das waren Momente, wie sie jeder Unternehmer erlebt, wenn die Betriebsprüfung des zuständigen Finanzamtes sich ansagt. Die Berichte gingen nach Rom. Adolf von Dalberg hatte gute Nerven.

aufgebahrtWar Dalberg auch bei guter Gesundheit? Da hat es die Natur nicht gut mit ihm gemeint. Er hatte Übergewicht von jungen Jahren an. Als er starb, wurden - wie es damals Brauch war - Eingeweide und Herz an anderer Stelle beigesetzt. Dabei stellte sein obduzierender Leibarzt, übrigens ein Dr. Johann Baptist Schlereth, fest, dass alle Organe verbraucht und in sehr schlechtem Zustand waren. Er gab zu Protokoll, „es sei ein Wunder, dass er überhaupt so alt wurde“. Neunundfünfzig Jahre. Rheuma und Gicht plagten Dalberg. Diabetes? Bei seiner Körperfülle anzunehmen.

Er rief 1729 zu einer Diözesansynode auf der die geistlichen Angelegenheiten im Hochstift neu bewertet wurden. Die Seelsorge rückte ins Zentrum. Es waren die Studienjahre in LÖWEN, die Adolf von Dalberg für diesen Weg als Abt und geistigen Führer vorbereiteten.

Wir erkennen immer wieder, welch hohen Rang er der Bildung beimaß, der Herzens- und der Geistesbildung.

CANDORE ET AMORE

Ich schließe diesen Vortrag mit einem Goethe-Wort

„Wenn einen Menschen die Natur erhoben

Ist es kein Wunder, wenn ihm viel gelingt“