Hammelburger-Album

Der Marktplatz von Hammelburg nach einer Uraufnahme aus dem Jahre 1847. Die Nordseite war vor dem Stadtbrand mit 8 Anwesen stark gegliedert. An der Ostseite gab es damals – so wie auch heute, 2 Häuser. Die Westseite ist heute noch in etwa genau so bebaut. An der Südseite wurde aus den Anwesen 16, 17 und 18 ein Gebäude errichtet.Bei dem allgemeinen Brand, wo jeder nur bedacht war, seine Habe zu retten, war an ein systematisches Zusammengreifen nicht gedacht worden, obschon auswärtige Feuerspritzen noch vorhanden waren, so fehlte es doch an Wasser, da es bei der so schnell eingetretenen Zerstörung alles Eigenthums an Trögen und Fässern, in denen dasselbe aus der nahen Saale hätte herbeigeschafft werden können, sowie an der entsprechenden Bespannung mangelte.

Es wurde daher auf meine Anordnung an die benachbarten Gemeinden Expresse sogleich mit der Weisung abgesendet, daß jede einen Wagen mit einem großen, bereits gefüllten Faß u. mit 20 kräftigen mit Hacken und Schaufeln versehenen Männern nach Hammelburg zu senden habe, welcher Anordnung auch bereitwilligst entsprochen wurde, so daß gegen Morgen Löschapparate und Mannschaft in gehöriger Menge vorhanden waren.

Nachdem ich bis 8 Uhr auf der Brandstätte geblieben und durch die rastlosen Anstrengungen aller Behörden u. Anwesenden dem Weitergreifen der Flammen Einhalt geboten war, bildete ich in dem Kloster, welches als gemeinsamer Versammlungsort diente, unter Zuziehung des landgerichtlichen Beamten, des Forstmeisters u. Revierförsters, des Ortspfarrers, Bürgermeisters, mehrerer angesehener Bürger u. des Franziskaner Guardians ein Hilfscommitté, welchem ich zur Verwendung der einkommenden Unterstützung an Geld, Viktualien, Kleidung u.s.w., u. Behufs der Unterbringung der Obdachlosen die mir nöthig scheinenden Directionen verzeichnete u. zunächst veranlasste, daß durch die Patres Franziskaner eine Suppenanstalt sofort eröffnet wird, u. schon für die kommende Nacht die Unterbringung der Obdachlosen in den benachbarten Ortschaften vermittelt werden konnte, sowie die zahlreichen Zufuhren an Viktualien, welche aus der ganzen Umgegend bereits statt gefunden hatte, es ermöglichte, daß alle Bedürftigen durch das Hilfscommitté schon im Laufe des Morgens mit Lebensmitteln unterstützt werden konnten.

Ich behändigte dem Hilfscommitté ferner die Summe von 500 fl, welche ich zur Deckung der dringendsten Bedürfnisse vor meiner Abreise einstweilen vorschußweise aus Mitteln der Regierungsregie entnommen hatte, u. fügte dieser Summe aus meiner Privatcasse den Betrag von weiteren 100 fl als ersten Kollektivbeitrag bei, so daß für den ersten Augenblick nothdürftig gesorgt sein dürfte.

Freylich wird es bei dem totalen Brandunglücke großartiger Unterstützung aller Art bedürfen, u. werden [...] von Seiten der Kreisregierung die entsprechenden Anträge an Ew. M. gestellt werden. Den Umfang des Schadens vermag ich Ew. M. noch nicht anzugeben, da ich während meiner Anwesenheit in Hammelburg, welche bis gestern Abend währte, mit nichts anderem beschäftigen konnte, als die Leitung der Löschanstalten zu überwachen, und die für den Moment nöthigen weiteren Anordnungen zu treffen.

 

Einstweilen zeige ich Ew. M. nur an, daß die Landgerichtlichen Localitäten gänzlich niedergebrannt sind nebst allen Akten mit alleiniger Ausnahme der Hypothekenbücher und der Depositen, welche beim Beginn des Brandes noch schnell in den Keller gerettet wurden. Das Rentamt hat ebenfalls alle Akten, seine Heberegister, Steuerbücher u. sonstigen Kataster im Brand verloren, u. nur die Kasse konnte, wie mir der Rentbeamte sagte, gerettet werden.

Alles liegt im Schlosskeller untereinander, u. ich musste mich lediglich darauf beschränken, den Eingang hiezu durch Gensdarmerie Mannschaft bewachen zu lassen, u. durch Aufstellung einer Feuerspritze im Hofraum des Schloßes unter der Leitung des von mir mitgebrachten Civilbau Inspektors Reuß dem weiteren Umsichgreifen der Flammen, welche bei meiner Ankunft bereits den größten Theil des umfangreichen Schlosses ausgebrannt hatten, Einhalt zu thun; wodurch es dann auch mit vieler Mühe gelang, fünf bis sieben Zimmer vor gänzlicher Zerstörung, sowie den Keller im vorderen Flügel, worin die herrschaftlichen Weine gelagert waren nebst seinem Inhalte, mit Ausnahme eines Fasses, an dem die Reifen durch die Hitze platzten, zu retten.

Die Landgerichtliche Frohnfeste, aus welcher die Gefangenen schon bei Beginn des Brandes entfernt, u. an die benachbarten Landgerichte transportiert worden waren, steht noch unversehrt, ebenso das Forstamtsgebäude, welches mitten unter den brennenden Nachbarhäusern unversehrt geblieben. Das Langhaus der Pfarrkirche, an welcher der Thurm bereits in Brand gerathen, u. zusammengestürzt, blieb nebst dem anstoßenden Pfarrhaus wie durch ein Wunder erhalten. da ringsum die Flammen wütheten u. die Localität es lange unmöglich machte, eine Feuerspritze anzuwenden.

Das Rathaus 1854, wie es der Hammelburger Maler Franz Ringelmann 1928 gemalt hat (Ausschnitt aus dem Bild "Landwehr" )Gänzlich zerstört sind das Rathhaus nebst allen Akten, Urkunden etc. die Schulgebäude, das Spital, Armenhaus, die Apotheke, Gensdarmerielocal u. die ganze innere Stadt.

Heute werden die Abschätzungen durch den Brandversicherungsinspektor bereits vorgenommen u. zur Anfertigung der neuen Generalbauplanes sind bereits die entsprechenden Einleitungen getroffen.

Landrichter Rothmund von Euerdorf u. Landrichter Bucher von Kissingen sowie der dortige Bau-Inspektor Krämer hatten sich bereits wenige Stunden nach Ausbruch des Brandes in Hammelburg daselbst eingefunden, u. die dortigen Beamten, da Landrichter Leutbacher, dessen Quiescenz (= Ruhestand) bei Ew. M. zu beantragen wir bereits vor wenigen Tagen im Collegium beschlossen hatten, wegen seiner tief erschütterten Gesundheit auf der Brandstätte nicht thätig sein konnte, in den nöthigen Anordnungen unterstützt; auch erschien Landrichter Bucher mit Inspektor Krämer am anderen Morgen wieder mit neuer Mannschaft aus Kissingen, u. leisteten mit gewohnter Energie u. Thätigkeit wesentliche Dienste in Leitung der Löschanstalten.