Hammelburger-Album

kellereischloss6Der Geschichtskreis Hammelburg nahm sich des Themas „Das Rote Schloss“ an. Mehr als zwanzig Bürgerinnen und Bürger trafen sich, um der Geschichte des Roten Schlosses und seiner langen Vorgeschichte bis heute nachzugehen.

Von den Anfängen der fränkischen Herrschaft bis in unsere Zeit, ist der Baugrund des Roten Schlosses unverändert, der eigentliche weltlich-politische Ort in unserer Stadt. Bis zur Auflösung des Landratsamtes im Jahre 1973, ein typischer Ämterbau.

Das "Rote Schloß" heute

Auch wenn dort längst kein Amtskeller oder Rentamtmann das Sagen hat, kein Schultheiß, kein Zentgraf, kein Bezirksamt wie in königlich-bayerischer Zeit und kein Landratsamt für den Altlandkreis dort waltet und verwaltet. Das Rote Schloss zählt unverändert zum eigentlichen Zentrum mit Rathaus, Marktplatz und Stadtpfarrkirche in unmittelbarer Nähe.

Das Schloss steht heute für eine moderne Bürgergesellschaft. Innerhalb seiner Mauern ereignet sich vieles, was unser Dasein sichert und zum täglichen Leben dazugehört. Eine Bank, ein Notariat, Ärzte, Weinkeller. Städtisch-Kommunales, die Vhs, die Bibliothek, Tourist, der Sitzungssaal des Stadtrates. Nicht zu vergessen die Polizeidienststelle. Die vielseitige Nutzung bedeutet: Pachteinnahmen für den bayerischen Fiskus. Dieser trägt die Baulast.

Einführendes

kellereischloss4In seiner Einführung wies in acht Punkten Dieter Galm auf Wesentliches hin, das in Einzelbeiträgen der Teilnehmer aufgegriffen und diskutiert wurde.

  • Schenkung des Königsgutes Hammelburg an das Kloster Fulda im Jahre 777. Stärkung des jungen Klosters. Die von Karl dem Großen vorangetrieben Christianisierung der Sachsen konnte nur dann gelingen, wenn durch starke geistliche Zentren in der Nähe zum sächsischen Stammland personelle und materielle Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Da stand Fulda an der vordersten Front. Kurz, kein Christentum bei den Sachsen ohne Bekehrung und christliche Begleitung. Der Rückfall der Sachsen in das Heidentum war die berechtigte Sorge des Frankenherrschers. Karl braucht Mönche die für die Mission geeignet waren. Ganz abgesehen von den Sprachproblemen.

  • Steter Ausbau der Amtskellerei in Hammelburg durch Äbte und Fürstäbte. Zeitgemäß und angepasst., der komfortabler Ausbau eines Herrenhauses für weltliche und geistliche Herren.

  • Bau der Stadtmauer. Eine starke Befestigung, die eindeutig den Zweck hatte, Ansprüche des Bischofs von Würzburg auf Hammelburg abzuwehren. Der Bau der Stadtmauer war Ursache für einen Rechtsstreit im frühen 14. Jahrhundert. Zwei Waffengänge zwischen Fulda und Würzburg wurden ausgetragen. Die Truppen Fuldas blieben in beiden Treffen Sieger. Die Bedeutung von Hammelburg für Fulda ist nicht hoch genug einzuschätzen. Der Bedarf an Messwein konnte nur aus Hammelburg gedeckt werden. Der Wein als Handelsgut war für das Hochstift und seinen Finanzhaushalt ein wichtiger Posten. Unverzichtbar für die Finanzierung der fürstäbtlichen Bauvorhaben.

  • Hammelburg war Straßenkreuzung aller vier Himmelsrichtungen. Damit war die Stadt so etwas wie ein Sperrriegel, der Würzburg in seiner Bewegungsfreiheit beeinträchtigte. Dies wiederum brachte Fulda in eine vorteilhafte Position.

  • Bau des Barockschlosses als Sommerresidenz des Fürstabtes Adolf von Dalberg. Vollendet 1731. Das Schloss trotzdem blieb unverändert Amtskellerei. 300.000 Liter Wein konnten in seinen Kellern gelagert werden. Endgültiger Übergang in den Besitz des Königreiches Bayern im Jahre 1816 nach den Napoleonischen Kriegen.

  • kellereischloss7Beim Stadtbrand 1854 war auch das Schloss stark betroffen. Der Dachstuhl ausgebrannt und weitere Schäden. Das königlich-bayerische Landgericht im Ostflügel war durch den Brand vernichtet. Wiederaufbau und Herstellung der Funktion des Schlosses für die Verwaltung . Die aufwändige Walmdachkonstruktion wurde nicht genehmigt. 80.000 Gulden wurden von Regierungsseite für die Wiederherstellung aufgebracht. Das Schloss blieb Ämtergebäude für Landgericht, Bezirksamt und später Landratsamt bis zur Gebietsreform. Die Jahre im Krieg und erst recht nach dem Krieg war das Schloss Anlaufstelle für alle, besonders für das Heer der Vertriebenen auf der Suche nach einer sicheren Existenz.

  • Modernisierung und Umbau des Schlosses in den Jahren 1975 bis 1977. Die barocke Fassade blieb letztlich unangetastet, das Innere des Schlosses entkernt. Ein Zweckbau entstand. Das ursprüngliche Walmdach wurde neu gesetzt. Das Schloss hatte wieder die Ansicht, die sein Baumeister Andreas Gallasini 1726 ihm gegeben hatte. Die Zustimmung zum ursprünglichen Walmdach musste politisch durchgesetzt werden. Bürgermeister Karl Fell ergriff dazu bei der Bayerischen Staatsregierung die Initiative und verhandelte damals mit dem Leiter der Staatskanzlei Edmund Stoiber.


Diskussionsrunde

Die Teilnehmer, mit Hammelburg verwurzelt, wussten vieles in die lebendige Diskussionsrunde einzubringen.

kellereischloss1Ingrid Weigand lebte als Tochter des damaligen Hausmeisters nach dem Krieg im Schloss. Sie berichtete, wie aus heutiger Sicht die Verhältnisse äußerst schwierig waren und dennoch gemeistert wurden. Kohleöfen in den Amtsstuben, zugige Fenster, Wasser und Sanitär unvorstellbar einfach. Der Innenhof des Schlosses und die kleine Gartenanlage an der Westseite vor der Altane dienten dem Gemüseanbau.

Anita Schuberth geborene Englert lebte neben dem Schloss im Gasthof „Hirschen“. Sie knüpfte an und erzählte, wie der Dachboden fürs Wäscheaufhängen genutzt wurde und wie schwer die Waschkörbe waren, die sie als Kinder mit ihrer Schwester hochschleppen musste. Wenn in den Haftzellen Einsitzende im Innenhof herumgeführt wurden, durften die Kinder sich nicht sehen lassen. Der Innenhof war auch „Busbahnhof“ für die zwei, drei Busse die im Altlandkreis eingesetzt waren.

kellereischloss5Adolf Weibel als Kreisbaumeister konnte sich an Einzelheiten erinnern. Schließlich befand sich sein Dienstzimmer im ersten Stock und zwar zwangsläufig mit allem befasst, was baulich zu erledigen war. Wenn auch am Rande. Bauträger waren weder Stadt noch Landkreis Bad Kissingen in den Umbaujahren. Das heutige Hochbauamt Schweinfurt war federführend.

Dr. Winfried Benner brachte die „Döll-Chronik“ ein. 1873 ist dieses für die Geschichte Hammelburgs außerordentlich wichtige Buch erschienen. Eine Kostbarkeit für alle die es noch besitzen. Es dürften nur wenige sein. Der damalige königliche Notar Philipp Josef Döll hat mit aller Gründlichkeit eines Juristen in ältesten ihm noch zugänglichen Urkunden und Schriftstücken während seiner Hammelburger Zeit geforscht. 1873 wurden seine Aufzeichnungen in Buchform herausgegeben. „Geschichtliche und statistische Nachrichten über die Stadt Hammelburg und Schloß Saaleck“ heißt das Werk. Alle die Historisches über Hammelburg nach ihm berichtet haben, stützten sich auf ihn ab (Heinrich Ullrich, Karl Brandler). Der Stadtbrand 1854 und zweite Weltkrieg haben Archivalien vernichtet, die ihm zu seiner Zeit noch zur Verfügung standen.

Das Stadtarchiv (Elfriede Böck und Manfred Scheller) stellte die Fotokopien von Zeitungsberichten mit Bildern aus der Zeit des Umbaus zur Verfügung. Berichte mit Fotos über das Schloss als Skelett, zum Richtfest, die unvorhersehbaren Bauverzögerungen, auch technisch bedingt, Wetterprobleme, Einzug der Polizeidienststelle in die neuen Räume.


Regierungsbaurat Ernst Kramer

kellereischloss2Immer wieder taucht der Name Ernst Kramer auf. Er war Regierungsbaurat a.D. stellte sich dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zur Verfügung. Er hat von Fulda aus außerordentlich hilfreich seinen Einfluss auf das bayerischen Denkmalschutz und das Hochbauamt Schweinfurt geltend gemacht. Als Diplomingenieur und Architekt hat er in den Jahren davor maßgeblich bei der Renovierung des fürstäbtlichen Schlosses in Fulda mitgewirkt. Er war absoluter Fachmann für barocke Architektur. Auf Nachfrage in Fulda beim Kulturreferenten und Stadtarchiv Dr. Thomas Heiler bekam Dieter Galm die Antwort: „Wir haben aus seinem Nachlass zwanzig laufende Regalmeter Akten übernommen. Noch nicht gesichtet und geordnet. Wer wirklich in die Einzelheiten des Umbaus einsteigen will, er könnte in diesen Akten Interessantes finden“. Dennoch schickte das Stadtarchiv Fulda „auf die Schnelle“, wie Thomas Heiler schrieb, vierzig kopierte Seiten Korrespondenz von Ernst Kramer zum Roten Schloss, die seinen Einsatz und seinen Sachverstand belegen. Der Abend war zu kurz um tiefer einzusteigen. Interessierten können im Einzelfall die Unterlagen überlassen werden.

Im Stadtarchiv Hammelburg tauchte ein Brief von Ernst Kramer aus dem Jahre 1977 auf, in dem er das Hessische Staatsarchiv in Marburg als die Quelle seiner erfolgreichen Nachforschungen zum Roten Schloss nennt.

Unter der Überschrift „Gallasini baute drei Jahre in Hammelburg - Das fürstbischöfliche Kellereischloss im Spiegel der Chronik – Ernst Kramer (Fulda) entdeckt historische Kostbarkeiten“ wurde der Brief am 27. Mai 1977 in der Saale-Zeitung veröffentlicht.

Überraschende Dokumente

Überraschend hat Franz-Josef Schneider Dokumente mitgebracht, von denen niemand glaubte, dass diese existieren oder, falls doch, dann bestenfalls im Staatsarchiv in Marburg. Nicht ohne weiteres zugänglich für die Öffentlichkeit. Detailliert konnte Franz-Josef Schneider die Kunsthandwerker und Handwerksunternehmen und deren Einzelleistungen nennen, die den Bau ab 1726 aufführten. Allein die Vorstellung dieser Dokumente im Geschichtskreis könnte einen Abend füllen. Hatte der Fürstabt öffentliche Investitionen im Sinn um Brot und Arbeit zu schaffen und Kunst am Bau und Baugewerbe ganz allgemein durch den neuen Schlossbau voranzubringen? Auch der bekannte Hammelburger Bildhauer Johann Jakob Faulstieg schuf Skulpturen für das Schloss.

Leider sind in der Umbauphase diese Skulpturen, aufgestellt im Bereich der Altane, die Schauseite des Schlosses, verloren gegangen. Auf alten Fotos konnten sie an diesem Abend erkannt und nachgewiesen werden. Wo sind sie geblieben?

kellereischloss3Wesentliches trugen Josef Kirchner und Erich Hutzelmann bei. Beide besitzen umfängliche private Sammlungen. Insbesondere sind es private Fotoaufnahmen gesammelte Postkarten. Dazu die über Jahre gesammelten Kleinschriften die zu Jubiläen erschi9enen sind. Von Erich Hutzelmanns Seite auch zusätzlich noch technische Zeichnungen. Sie stammen aus der Planungs- und Umbauphase.

Reformation in Hammelburg

Die Reformation in Hammelburg wurde kurz gestreift. In den Räumen der Alten Kellerei in deren Herrenhaus setzte im Zuge der Rekatholisierung Hammelburgs der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn den Fürstabt von Fulda, Balthasar von Dernbach im Jahre 1576 ab. Das Thema Reformation in Hammelburg wird der Geschichtskreis im nächsten Jahr aufgreifen.

Die üble Geschichte des Fürstabtes Balthasar von Dernbach (1548 bis 1606) ist rasch erzählt. Er wollte Fulda und Umland, das sich weitgehend der lutherischen Lehre angeschlossen hatte, zum katholischen Glauben zurückführen. Dies führte zum Widerstand in der fuldischen Ritterschaft. Daraufhin wurde er 1576 im Roten Schloss von Ritterschaft (!), Stiftskapitel und Bischof gezwungen, seine eigene Abdankungsurkunde zu unterschreiben. Der Würzburger Bischof wurde zum Verwalter des Hochstifts gewählt mit der Vereinbarung, den Ritterständen Religionsfreiheit zu gewähren. Ein perfider Handel. Würzburg hat erreicht was es wollte. Zunächst. Es kam jedoch anders. Papst und Kaiser schritten ein. Balthasar kehrte zurück auf seinen Stuhl.

Von Dieter Galm