Hammelburger-Album

Hammelburg, 4. Septbr. Mit dem heutigen Tage sind es 8 Wochen, seit die Kriegsereignisse den bedeutenden Brand und so viel Schrecken und Elend, Unglück und Verluste über unser schon so oft und schwer  heimgesuchtes Städtchen brachten, - inzwischen wurden wir durch den am 18. August in dem benachbarten Westheim ausgebrochenen, nicht unbedeutenden Brand in Aufregung versetzt – und schon wieder haben wir über ein Brandunglück zu berichten, das zwar, Gott sei Dank, nicht direkt unser Städtchen betraf, aber doch immerhin Hammelburg einer schönen, geschichtlich denkwürdigen Baulichkeit größtentheils beraubte.
Es brach nämlich gestern Nacht 11 ¼ Uhr auf dem Schlosse Saaleck, dem Sommeraufenthalte der ehemaligen Fürstäbte von Fulda, Feuer aus, welches bei dem gerade herrschenden heftigen Winde mit solch‘ rasender Schnelligkeit um sich griff, daß binnen Kurzem die dortigen Oekonomie-Gebäude mit fast sämmtlichen, sehr bedeutenden Erntevorräthen, sowie auch das Hauptgebäude, in welchem sich die historisch merkwürdigen sog. Fürstenzimmer befanden, ein Raub des verzehrenden Elementes wurden, während der noch übrige nördliche Flügel des Schlosses, Dank der rastlosen, theilweise mit Lebensgefahr ausgeführten Hilfeleistung der zahlreich herbeigeeilten Bewohner Hammelburgs und Umgebung, noch größtentheils verschont geblieben. Bei der großen Schwierigkeit der Herbeischaffung von Wasser und dem hefigen Winde war natürlicherweise eine erfolgreiche Thätigkeit der Löschapparate unmöglich. Der durch diesen Brand entstandene Schaden ist ein sehr bedeutender, jedoch ist der Eigenthümer des Schlosses, Hr. Bankier Vornberger in Würzburg, durch Versicherung gedeckt und die baldige Wiederherstellung der Gebäulichkeiten sicher zu erwarten. Auch der Oekonomie-Pächter, Herr Wald, ist, wie wir hören, versichert. – Ein Letzterem gehöriges Pferd, mehrere Stück Rindvieh und Schweine sind verbrannt, der Verlust von Menschenleben jedoch glücklicherweise nicht zu beklagen. Auch die im Schloßhofe aufgestellte, am gestrigen Tage in Thätigkeit gewesene hiesige Dampf-Dresch-Maschine ist verbrannt, während es noch gelang, das Dampf-Lokomobile zu retten. Das Feuer soll im Stalle ausgekommen sein. Ueber die Entstehungsursache läßt sich jedoch bis jetzt nichts Verläßiges angeben. Erwähnenswert dürfte noch sein, daß auch schon einmal am 8. Novbr. 1833 die Oekonomiegebäude des Schlosses Saaleck abgebrannt waren.