Hammelburger-Album

 

Abschrift der beiden Urkunden, die im "Bauch" des Wetterhahnes gefunden wurden, aus dem Jahr 1929

 

Urkunde.
      Der Turmbau bedurfte teilweise der Erneuerung und auch der oberste Aufsatz, die Windfahne mußte infolge Schadhaftigkeit ausgewechselt werden. Die Turm-Umbauarbeiten bezüglich der Dacheindeckung hat eine auswärtige Firma, die Zimmererarbeiten hat Zimmermeister Bethäuser von hier ausgeführt. Den obersten Aufsatz, die Windfahne, hat Spenglermei­ster und Installateur Rudolf Schreiner von hier hergestellt. Der alte Aufsatz wird dem Bezirks­museum einverleibt. Fast 3/4 Jahrhundert hat die­ser Aufsatz die Windrichtungen gezeigt.
 
Zur Erinnerung an die schwere Kriegszeit soll der Nachwelt im Gedächtnis erhalten werden, daß am 2. August 1914 ein Weltkrieg ausgebrochen ist. Fast, alle europäischen Staaten waren die Feinde von' Deutschland. Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei waren gemeinschaftliche Mächte. Das mit Deutschland und Österreich-Ungarn verbündete Italien hat 1915 den Dreibund gebro­chen und ist zu den feindlichen Mächten überge­treten.
 
Aus der Stadt Hammelburg wurden auch 400 Krieger zu den verschiedenen Kriegsschauplätzen einberufen. 72 mußten für das Vaterland sterben; 12 gelten als vermißt. Das Kriegerdenkmal am Rathause soll für immerdar die Gedenk- und Dankesstätte der Heimat sein.
 
Am 9. November 1918 ist auf Betreiben eines Kurt Eisner in der Hauptstadt München die Revolu­tion ausgebrochen. Die Heere haben nicht mehr standgehalten. Unser Heer und die Verbündeten haben den Rückzug angetreten.
Der Krieg wurde ob der großen Uebermacht und des eingetretenen wirtschaftlichen Niederganges verloren.
    Schwere Zeiten sind hierauf über Deutschland hereingebrochen; auf allen Gebieten große wirt­schaftliche Erschwernisse und allgemein bedrängte wirtschaftliche Lage. Von vielen Generationen wer­den die Kriegsfolgen noch ertragen werden müssen. Unsere Feindesmächte, insbesondere Frankreich wollen sich mit den gebotenen Kriegsentschädi­gungen nicht zufrieden geben. Die Verhandlungen hierauf sind noch nicht abgeschlossen. In schwerer Niederlage wartet Deutschland angesichts seiner wirtschaftlichen Kraft auf bessere Zeiten.
 
       Die Stadtverwaltung besteht derzeit aus dem 1. Bürgermeister Karl Michelbach, Kaminkehrermei­ster, dem 2. Bürgermeister Karl Mützel und 14 Stadträten. Amtlicher Leiter ist städt. Verw. O.Inspektor Jos. Gg. Fuchs.
 
Hammelburg, am 29. Mai 1929.
Zur urkundlichen Bestätigung: gez.: Fuchs Gg. (Städt. Siegel)
 
 

Abschrift der Urkunde des Spenglermeisters

Urkunde:
 
Dieser Wetter-Hahn wurde im Jahre 1929 am 29. Mai in der Werkstadt des Spenglermeister Rudolf Schreiner angefertigt. Daran arbeiteten auch die Gehilfen Hans Schmitt und Eberlein. Der Hahn ist Handarbeit und kann ich deshalb der zukünftigen Generation solches Arbeiten empfehlen.
gezeichnet:
 
Hans Eberlein                                           Rudolf Schreiner
Hans Schmitt                                               Spenglermeister
nebst Frau Frieda
Nach den Kriegsschäden                            Mutter Josefina u. 2 Söhnchen        überholt am 11. 9. 50.                                     Rudolf u. Otto v. BS Hbrg