Hammelburger-Album


Vermutlich weil der Viehmarkt-Platz an sich nicht besonders groß ist, bestimmte der Ma­gistrat in seiner Viehmarkt-Ordnung offiziell, dass die Marktbeschicker und -besucher „kei­ne Verkehrsstörung" verursachen dürften. Die mitgebrachten Wägen durften nicht auf dem Viehmarkt-Platz selbst parken und nach Beginn des Marktes war es laut Marktord­nung allem was Räder hatte verboten, über den Viehmarktplatz zu fahren. Vor allem Rin­der und Schafe kamen damals wahrscheinlich noch zu Fuß zum Markt. „Das ... Vieh ist sofort nach Ankunft in hiesiger Stadt und zwar ohne Aufenthalt auf den Marktplatz zu treiben und ist der Zutrieb zu demselben an anderen Zugängen als an den dazu bestimm­ten verboten."

Dann kamen laut Marktordnung gleich die Gebühren auf die Marktbeschicker zu: für Rind und Pferd forderte die Stadt damals 10 Pf. pro Stück, für einen Korb Schweine 20 Pf. und 5 Pf. für ein Kalb, Schaf oder Ziege. Das Vieh der Einwohner Hammelburgs sollte allerdings von Marktgebühren befreit sein. Wenn das Handeln losging, waren sehr wahr­scheinlich auch bald die „Schmuser" da. Die Stadtverwaltung sah sie offensichtlich nicht gerne (das war auch in anderen Städten so). Die Hammelburger Viehmarktordnung nennt sie synonym „Zwischenhändler" und widmet ihnen eigens zwei Paragraphen. Man unter­sagt ihnen die Einmischung in die Marktge­schäfte und droht mit Verweisung und Strafe. „Schmuser" waren meist Einheimische, die alle Landwirte kannten. Sie wussten genau, was jemand gerade brauchte und wie das Angebot beschaffen war. Sie unterhielten sich mit diesem und jenem und redeten einem potentiellen Käufer fleißig zu. Sie packten auch mit an beim Ausladen, Aufstellen der Körbe etc. Ihr Verdienst: eine Provision oder eine bezahlte Zeche vom Händler. „Schmu­ser" gab es bis zum Ende der Viehmärkte.
Noch in den 1920er und 1930er Jahren hatte der Hammelburger Viehmarkt einen guten Namen. 1927 berichtet das Bezirksamt Hammelburg, dass der Hammelburger Vieh­markt „im Handel mit Schweinen einen leb­haften Verkehr aufzuweisen hat". In den sta­tistischen Meldungen der Stadt Hammelburg lesen wir, dass im Jahr 1939 47 Märkte abge­halten wurden. „Aufgetrieben wurden 280 Schweine und 4980 Ferkel, sonstige Tiere wurden nicht aufgetrieben. Die aufgetriebe­nen Tiere wurden restlos verkauft." Nach dem 2. Weltkrieg veränderte sich die Situation. Der Regierungsveterinärrat des Kreises Ham­melburg schreibt am 7. 3. 1951: „Vor dem Krieg war im Gegensatz zu heute Hammel­burg Mittelpunkt eines lebhaften Viehhan­dels." Die ersten Viehmarkt-Termine in Ham­melburg nach dem Krieg waren nach dem Ende der staatlichen Bewirtschaftung für Fleisch für 1949 geplant. Das Auftreten der Maul- und Klauenseuche behinderte zu­nächst einmal die Marktgeschäfte, denn bei MKS-Ausbrüchen wurde in den betroffenen Gebieten der Viehhandel gesperrt.

  
 
Was Bauern und Händler noch wissen

Landwirte erinnern sich, dass sie anfangs noch mit dem Gespann zum Viehmarkt gefahren sind, dann mit dem Schlepper. Ter­min war nach dem Krieg wieder der Don­nerstag, alle 14 Tage. Meistens war es nur ein „Säumart" (Schweinemarkt), wie die Ham­melburger sagen, obwohl der Markt für Rin­der und Schweine angekündigt war. Angelie­fert wurden die Ferkel und Schweine von Händlern wie von Bauern, dennoch gab es bei den einzelnen Märkten feine Unterschiede, erinnert sich ein Viehhändler.
In manchen Regionen war die Produktion stärker, dort war der Viehmarkt für die Händ­ler eher ein Einkaufsmarkt (z. B. Haßfurt). In anderen Gegenden verkauften die Händler überwiegend, so waren Märkte wie Hammel­burg oder Karlstadt für die Händler eher Ver­kaufsmärkte, hier kauften die Landwirte sehr viele Ferkel zum Mästen vom Händler.
Auch schon in den 1950er Jahren kam nach Zeitzeugen-Erinnerungen nicht mehr viel Rindvieh auf den Hammelburger Viehmarkt. Die offiziellen Marktankündigungen sprachen bis 1961 von „Großvieh- und Schweinemärk­ten", erst ab 1962 nur von „Schweinemarkt".