Hammelburger-Album
 
„Zu Beginn eines gewöhnlichen Markttags sind die Käufer herumgelaufen und die mei­sten haben erst einmal gelauscht", berichtet ein Landwirt. Die Händler waren mit Pferde­gespannen gekommen und Wägen mit Kör­ben, die Bauern meist mit eingespanntem Rindvieh, zumindest noch zu Beginn der 1950er Jahre. Rund um den Viehmarkt wur­den die Transportmittel abgestellt. In der „schlechten Zeit" kam auch schon einmal einer mit dem Schubkarren an.
Die Schweinekörbe waren aus Weide geflochten, hatten einen Deckel und waren mit Stroh ausgelegt, später gab es auch Holz­kisten. „Wenn der Markt begann, waren die Körbe offen, und die Schweine wurden rich­tig hochgebettet" , erinnert sich ein Landwirt. Manche Besitzer sollen ein Ferkel für den Interessenten auch mit gespielter Anstren­gung hochgehoben und gesagt haben, „schau her, ich kann das nicht mal mehr heben", um zu zeigen, wie schwer das Tier war.
 
Dann wurde gefeilscht, der Kunde hat ge­boten, der Händler verlangt. Der Kauf endete mit einem Handschlag „dass es geklatscht hat". Die Tiere wurden dann meist vom Käu­fer mit einem Namenskürzel gekennzeichnet.
 
Nach dem Markt ging es regelmäßig ins Wirtshaus. Dort konnte man auch sehen, wel­cher Schmuser für welchen Händler gearbei­tet hat, denn der Händler zahlte ihm oft die Zeche. Die Viehmarkt-Besucher verteilten sich u. a. im „Emmert" (Gasthaus Zum Engel, Marktplatz 12), im „Hirschen" (Kirchgasse 2), in der „Hannawackers Wirtschaft" (Zum Gol­denen Schwan, Bahnhofstr. 17), beim „unte­ren Binmöller" (Gasthaus Zur Sonne, Weiher­torstr. 3) und im „Bayerischen Hof' (Bahn­hofstr. 51). Der „Bayerische Hof" war „ge­stopft voll" an Markttagen, denn er war für gutes Essen bekannt. Die Tochter des dama­ligen Besitzers soll den Sohn eines Viehhänd­lers aus Oberleichtersbach geheiratet haben.
 
Auch einige Namen von Viehhändlern, die in den 1950er Jahren auf dem Hammelburger Markt erschienen, sind den Landwirten noch gut im Gedächtnis: aus Westheim (bei Ham­melburg) kam Josef Schmitt, genannt das „Waaster Schmittle" (es gab noch einen Vieh­händler mit diesem Nachnamen: Wilhelm Schmitt aus Sulzthal). Aus Machtilshausen war Heinrich Koch, ebenfalls aus Machtils­hausen Franz Mützel. Aus Obereschenbach kam Eugen Reuter, aus Oberleichtersbach Josef Heinz. Auch die Namen Keupp aus Obereschenbach und Troll und Heid aus Fuchsstadt (bei Hammelburg) werden in die­sem Zusammenhang genannt. Die Hammel­burger Viehhändler waren (laut Einwohner­Adressbuch 1956): Philipp Fleckenstein, Ge­org Gößmann und Albert Köberlein. Von Großferkelhändlern, die als wohlhabend gal­ten, sprachen die Bauern scherzhaft als „Baron". Die Unterlagen im Stadtarchiv Hammelburg zeigen, dass auch Viehhändler aus anderen Landkreisen und Bezirken am Hammelburger Markt interessiert waren (schriftliche Anfragen nach Marktterminen aus dem Jahr 1954 und 1955).


1961 verlegte man den Hammelburger Viehmarkt auf den Bleichrasen an der Saale­brücke. In den 1970er Jahren wurden schon viele Viehmärkte in Bayern eingestellt. Das Geschäft fand nun überwiegend auf dem Hof statt. Auch in Hammelburg wurde der Auf­trieb auf den Viehmärkten immer schwächer und der Kreis-Veterinär meldet 1972, dass „oft weder Schweinehändler noch ein Käufer (!) erschienen war". Die eingenommenen Ge­bühren deckten die Auslagen nicht mehr, des­halb hatte die Stadt schon im Jahr 1970 die Marktgebühren von 0,30 DM auf 0,50 DM pro Ferkel erhöht. Ab 1973 sollten statt bisher 12 nur noch 4 Viehmärkte im Jahr stattfinden. Die letzte offizielle Terminmeldung für den Hammelburger Viehmarkt liegt aus dem Jahr 1982 vor, aber man darf davon ausgehen, dass die meisten Markttermine seit Mitte der 1970er Jahre nicht mehr wahrgenommen wurden.
 
 
Besonderheit Schäfertreff

An eine Besonderheit des Hammelburger Viehmarkts nach dem Zweiten Weltkrieg können sich damalige Besucher noch gut erinnern: die Schäfer aus Hammelburg und Umgebung waren auf fast jedem Viehmarkt zahlreich vertreten. Und das, obwohl auf so gut wie keinem Markt ein Schaf aufgetrieben wurde. Es wird berichtet, dass die Schäfer immer zusammen standen und sich unterhiel­ten. Man erkannte sie schon von weitem an ihrer typischen Kleidung. Sie besuchten den Markt nicht, um zu kaufen oder zu verkaufen, sondern um Informationen auszutauschen und um die Kollegen zu treffen.
Schafe kamen in Hammelburg normaler­weise nicht zum Auftrieb, die Schäfer be­suchten damals die Schafmärkte in Schwein­furt und Ochsenfurt. Viele Schäfer kamen mit dem Motorrad zum Hammelburger Vieh­markt. Stammlokal der Schäfer war der „Em­mert" (Gasthaus Zum Engel, Marktplatz 12). Auf den Hammelburger Viehmärkten traf man z. B. die Schäfer Karl Brandenstein aus Obereschenbach, Hermann Reuter aus Ober­eschenbach, Michael Schmittner aus Fuchs­stadt, Josef Ohmert aus Pfaffenhausen, Boni­faz Scherpf aus Hammelburg, Ebert aus Ober­erthal, Otto Koch aus Untererthal, Kilian Neder aus Thulba, Fritz Schmitt aus Höllrich.
Diese Treffen nutzten auch die „Übungs­platz-Schäfer", die ihre Herden im Sommer auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg weideten, aber nicht aus der Hammelburger Umgebung stammten. Ludwig Weckbach aus Wipfeld z. B. besuchte nach eigenen Angaben oft den Hammelburger Viehmarkt - um sich mit den Kollegen auszutauschen.