Hammelburger-Album

Einleitung

1958 wurde auf dem „Katzenrasen“ ein neues Volksschulgebäude eingeweiht. Es beherbergt heute die Grundschule am Mönchsturm. Ihr gegenüber wurde 1970 die Hauptschule gebaut. Vorher befand sich die Volksschule Hammelburg allerdings in der Kirchgasse in dem Gebäude, in dem heute u. a. das JUZ und die Kleiderkammer untergebracht sind, allgemein noch als die „Alte Volksschule“ bekannt. Nach dem Stadtbrand von 1854 vor 1860 errichtet, bekamen Generationen von jungen Hammelburgern hier ihre Schulbildung. Eine Einteilung in Grund- und Hauptschule gab es damals noch nicht. Nach1957 hatte die „Alte Volksschule“ aber noch nicht ausgedient. Bis 1965 waren in ihr Teile des Gymnasiums untergebracht, anschließend wieder aus Raumnot Volksschulklassen.

Die Schulpflicht, 1802 staatlich angeordnet, betrug zunächst sechs Jahre, später sieben und erst im 20. Jahrhundert acht Jahre. Zu erwähnen ist noch, dass die Kinder der heutigen Hammelburger Stadtteile nicht hier zum Unterricht gingen. Diese Orte waren damals selbständige Gemeinden mit eigenen Schulen und Lehrern. Feuerthal beispielsweise besaß eine einklassige Schule, d. h. alle acht Schülerjahrgänge saßen in einer Klasse, also einem einzigen Schulzimmer. Der Unterricht erforderte somit vom Lehrer großes organisatorisches Geschick.

Als ich – ein ehemaliger Lehrer der Hauptschule Hammelburg – die Geschichte unserer Volksschule erforschen wollte, musste ich feststellen, dass die frühere Schulchronik nicht mehr vorhanden war. Glücklicherweise entdeckte ich mit Hilfe unserer Sekretärin, Frau Elisabeth Siegel, die im Folgenden behandelten „Bekanntmachungen“. Solche Aufzeichnungen enthalten wertvolle Informationen und erlauben zahlreiche Rückschlüsse auf die Schule und das Schulleben jener Zeit. Es sind Mitteilungen oder Anweisungen, Belehrungen, Vorschriften für Lehrkräfte. An der Volksschule Hammelburg wurden alle Bekanntmachungen zwischen 1934 und 1945, aber auch später, handschriftlich in zwei noch vorhandene Bücher eingetragen, deren Seiten lückenlos durchnummeriert sind. Somit sind alle diese Verlautbarungen erhalten.

Das 1. Buch (19.6.1934 – 14.9.1938) umfasst 144, das 2. Buch 290 Seiten. Im 2. Buch sind die Einträge vom 19.9.1938 bis zum 9.12.1945 auf den Seiten 1 – 155 verfasst. Es folgen zwar noch die Seiten 156 – 162, die aber hauptsächlich statis tische Angaben bis zum Schuljahr 1952/53 enthalten. Die restlichen Seiten sind nicht beschrieben. 9 lose Blätter, die sich in den Bekanntmachungen befunden haben, geben zusätzliche Hinweise. Sie wurden offensichtlich aus der damals bestehenden Schulchronik gerissen, die verschwunden ist. Fast alle Einträge sind in deutscher Schrift („Sütterlin“) verfasst. Da viele Jüngere jedoch heute kaum mehr in der Lage sind, diese Schrift zu entziffern, habe ich wesentliche Teile der Einträge zu transkribiert.

Eine lückenlose Übertragung hatte ich allerdings nicht vor. Man könnte zwar zusätzlich auch erfahren, wann hitzefrei war, dass es zur Zeit der Heuernte für Bauernkinder ½ Tag schulfrei gab, dass das Tummeln auf dem Marktplatz nicht erlaubt war oder dass während der Wässerung der Saalewiesen das Baden verboten war usw. Aber das war nicht das Anliegen. Vielmehr ging es um jene für diese Zeit typische Anordnungen, die den Geist der NS-Zeit widerspiegeln.

Sämtliche Zitate aus diesen genannten Schriften wurden mit „Anführungszeichen“ und in Kursivschrift Fett wiedergegeben. Die Fundstellen sind so gekennzeichnet: I bedeutet 1. Buch, II zweites Buch, lB lose Blätter. Wenn also hinter einer Zitatstelle (II, 84) steht, bedeutet dies: 2. Buch, Seite 84. Dass Schreibfehler nicht korrigiert wurden und dass die damals herrschende Orthographie nicht verändert wurde, ist dabei selbstverständlich.

Um Übersicht in die Darstellungen zu bringen, sind die verschiedenen Zitate jeweils zu Themen zusammengefasst. Die erklärenden und kommentierenden Worte dazwischen sollen die Situationen in dieser Zeit aufhellen.

Hammelburg, im Januar  2012  

                                                                         Günther Albrecht