Hammelburger-Album

 

Schulgeschichtliche Aufzeichnungen

a) Ea.) Errichtung der einzelnen Schulen

Auf den Trümmern des durch den Brand von 1854 zerstörten Schulgebäudes erhob sich bald wieder ein neues, größeres. Wie die Chronik berichtet, wurde es im Spätherbst 1856 begonnen und im November 1858 seiner Bestimmung übergeben.

Nachdem schon seit 1852 Verhandlungen mit der Kgl. Regierung gepflogen wurden betreffs Einführung eines religiösen Ordens zur Übernahme der Mädchenschulen in Hammelburg, wurden, wie aus den Schulakten zu ersehen ist, im November des Jahres 1858 mit dem Unterricht und der Erziehung der hiesigen weiblichen Jugend Lehrerinnen aus dem Kloster St. Maria Stern in Augsburg betraut. Von dem genannten Kloster wurden die Mädchenschulen wie folgt übernommen:

1.) 1858 22. Novemb.

     I. Mädchenschule, anfänglich aus den 4 oberen Jahrgängen bestehend.

2.) 1858 22. Novemb.

II. Mädchenschule, anfänglich aus den 3 unteren Jahrgängen gebildet.

Gleichzeitig wurde auch eine staatlich geprüfte Arbeitslehrerin berufen zur Abhaltung des Handarbeitsunterrichts an den Mädchenschulen.

Schon im folgenden Jahre im Herbst 1859 wurde die obere Mädchenschule, die vier Jahrgänge umfaßte, geteilt u.

3.) 1859 3. Novemb.

      eine III. Ordenslehrerin hieher berufen, die den Unterricht an der mittleren Mädchenschule übernahm.

4.) 1873 od. 75

      Die gemischte Schule Vorbereitungskl errichtet.

     [Nr. 4.) nur als Bleistifteintrag]

[Das Schulgebäude steht heute noch in der Kirchgasse, im Volksmund immer noch die „alte Volksschule genannt. Diese beherbergt u. a. die Kleiderkammer und das Jugendzentrum.[Unter Mädchenschulen sind Mädchenklassen gemeint, nicht eigene Schulgebäude.]

 

b) bb.) Merkenswerte Vorkommnisse seit dem Jahre 1900

1.) 1901 12. März

Am 12. März 1901 Feier des 80. Geburtstags des Prinzregenten Luitpold.

Öffentliche Schulfeier mit Deklamation, Gesang u. Festrede im Rathaus. An die Schulkinder wurden Würste und Wecken verteilt.

[Nach dem Tode von König Ludwig II. 1886 wurde sein Bruder Otto I. König von Bayern. Da dieser aber geisteskrank war, übernahm sein Onkel Prinz Luitpold für ihn die Regentschaft. Daher der Name Prinzregen. Nominell blieb Otto weiterhin König.]

2.) 1910 1. Mai

trat die Lehrerin der oberen Mädchenschule Mar. Petronilla Lindenmayr in den Ruhestand, nachdem sie seit dem Jahre 1862 ihre Kräfte in den Dienst der hiesigen Mädchenschule gestellt und in Generationen die Hammelburger weibliche Jugend herangebildet hatte.

Als Nachfolgerin wurde die bisherige Lehrerin der Mittelklasse M. Nikoletta Panzer bestimmt, während die Lehrerin der Unterklasse M. Demetria Riedlechner an deren Stelle trat. Die freigewordene Unterklasse wurde durch die Hilfslehrerin M. Leopoldige Haas besetzt.

3.) 1911 1. Mai

Feier des 90. Geburtstags des Prinzregenten Luitpold. Die gesamte Schuljugend begab sich in festlichem Zuge, blauweiße Fähnchen tragend, von der Schule ins Hotel Adler, woselbst die Kinder durch Deklamationen und Gesänge dem geliebten Landesherrn ihre Huldigung darbrachten. Alsdann begab sich der Festzug an das Kissinger Tor, woselbst eine Luitpold-Linde gepflanzt wurde. Zur gemeinsamen Schulfeier wurde das von Herrn Kreisschulinsp. Griebl gedichtete Lied eingeübt: „Es faltet fromm das Spessartkind.“

[Das „Hotel Adler“ war in der Bahnhofstraße im Gebäude der späteren Raiffeisenkassegebäude untergebrach.

Das Kissinger Tor befand sich in der Kissinger Straße auf Höhe der Geschäftsstelle der Saalzeitung. Ein versteckter kleiner Gedenkstein im Rasen vor dem Evangelischen Gemeindehaus am Amtsgerichtskreisel erinnert an diesen Geburtstag.]    

4.) 1911 Sommer

Während der Ernteferien wurde in Aschaffenburg ein sog. Informationskurs abgehalten, der es sich zur Aufgabe gestellt hatte, seine Teilnehmer zur Einführung der Mädchen-Fortbildungsschule auf praktischer Grundlage zu begeistern. Diesem Kurse wohnten an die Lehrerinnen der Oberklasse u. der Mittelklasse.

5.) 1911

 13. Mai

Visitation der oberen Mädchenschule durch Herrn Kreisschulinsp. Griebl.

6.) 1912 23. Juli

Beehrte S. K. H. Prinz Ludwig unsere Stadt mit einem kurzen Besuche gelegentliche einer Autofahrt von Würzburg nach Bad-Brückenau. Die Kinder der Volksschule standen, blauweiße Fähnchen schwenkend, von der Weihertorstraße zum Marktplatz Spalier. Hier nahm der hohe Gast die Begrüßung von weißgekleideten Mädchen, die ein Gedicht vortrugen und einen goldenen Pokal mit dem besten Wein des hiesigen Winzervereins kredenzten, huldvollst entgegen.

[S. K. H. = Seine Königliche Hoheit PrinzLudwig. Dieser ist der spätere König Ludwig III.]

7.) 1912 18. Sept.

Dieser Tag brachte in der unteren Mädchenschule ein Veränderung, indem die bisherige Lehrerin M. Ermelinde Bosch nach Altenkunstadt versetzt und an deren Stelle die Hilfslehrerin M. Wenefrida Greser berufen wurde.

8.) 1912 1. Nov.

Mit Wirkung vom 1. Nov. 1912 wurde die weibliche Sonntagsschule in Hammelburg in eine obligatorische Mädchen-Fortbildungsschule umgewandelt mit wöchentlich vier Unterrichtsstunden, von denen zwei an einem Werktag, zwei am Sonntag abgehalten wurden. Die Fortbildungsschule erstreckt sich auf die Zeit vom 1. November mit 31. März, vom 1. April bis 31. Oktober tritt an die stelle derselben die vorschriftsmäßige Sonntagsschule.

9.) 1912 12. Dez.

Tod des Prinzregenten Luitpold.

Am 21. Dezember Trauerfeier in Kirche und Schule.

10.) 1913 7. Jan.

Erstmalige Feier des Geburtstagsfestes S. K. H. des Prinzregenten Ludwig.

Schulfrei.

[Nach Luitpold wurde Ludwig Prinzregent, da Otto I. immer noch lebte.]