Hammelburger-Album

 

Schuljahr 1917 - 18

 

1.) 1917 5. Mai

wie 1913 -14

 

2.) Lehrerinnen:

M. Nikoletta Panzer, O.S.F f. d. Oberklasse seit 1. Mai 1910;

M. Demetria Riedlechner, O.S.F f. d. Mittelkl. seit 1. Mai 1910;

M. Bonaventura Fuchs, O.S.F f. d. Unterkl. seit 1. Okt.1914;

M. Othildis Maag, O.S.F Vorb. Knaben u. Mädchen seit 1.Okt. 1916

M. Fides Wenig, O.S.F Arbeitslehr. f. O u. U.

 

Schülerzahl im Mai 1917

a. Volkshauptschule:

          Vorbereitungskl. Mädch.

          Unterkl.       2. Schuljahr

                              3. “              

          Mittelkl.      4. “               34

                              5. “               39

          Oberkl.        6. “              

                              7. “                 

                                         Sa                [Die Zahlen fehlen.]

b) Berufsfortbildungsschule:

                              1. Schuljahr 29

                              2. “              

                              3. “             

                                         Sa                          [Die Zahlen fehlen.]

 

3.) 1917    Mai

Wie im Vorjahre so wird auch heuer die Unterrichtszeit in den vier oberen Jahrgängen auf vier Vormittagsstunden beschränkt. Der steigende Mangel an Arbeitskräften macht die Hilfe der Jugend notwendig.

 

4.) 1917    Aug.

Ferien vom 16. Juli mit 12. Aug.

 

5.) 1917    Aug.

Beschlagnahme der Glocken.

Keines von den kleinsten Opfern war die Beschlagnahme der Glocken zu militärischen Zwecken. Die durch Alter, Kunstwert u. schönen Klang hervorragenden Glocken blieben verschont. In unserer Gemeinde sind eigentlich sämtliche
4 Glocken der Beschlagnahme verfallen, da sie erst alle nach dem großen Brand von 1854 gegossen wurden. Bei diesem Brand wurde der Turm der Pfarrkirche eingeäschert, wobei die Glocken schmolzen. –

Es gelang dem Bemühen der Stadt- u. Kirchenverwaltung die größte und schönste zu erhalten, da sie aus den damals geschmolzenen Glocken hergestellt wurde. Die drei kleineren mussten abgeliefert werden. Die größte derselben mit einem Gewicht von 16 Ztr. Trägt den Spruch: Vivos voco, mortuos plango,fulgura frango und den Namen Maria. Die zweite mit einem Gewicht von 9 Ztr. trägt als Inschrift Gloria in excelsis Deo. Sie war dem hl Joseph, dem Patron der Sterbenden geweiht. Sie meldete das Ableben eines Gliedes der Pfarrgemeinde. Die 3., die kleinste, begrüßte mit ihrem Klang den neuen Weltbürger, wenn er zur Taufe getragen wurde. Sie war den unschuldigen Kindern geweiht.

Am Samstag den 18. August 1917 wurden die Glocken vom Turm gestürzt auf einen aufgeschichteten Reiserhaufen. Nachmittag ½ 3 h wagte die letzte u. größte der Glocken den gefährlichen Sturz in die Tiefe. Die Augen einer vielköpfigen Zuschauerschar namentlich der zahlreich versammelten Schuljugend begleiteten jeden der drei gefährlichen Stürze.

Die Stadt hatte rasch für Ersatz gesorgt und so kamen um 3 h die neuen Stahlgußglocken bei der Stadtpfarrkirche an.  Während der Nacht wurden die „alten“ u. „neuen“ Glocken im Rathaus aufbewahrt u. am Sonntag Nachmittag auf dem Kirchplatz vor dem Schulhaus aufge-stellt. Die alten wurden mit Kränzen u. Eichenlaub geschmückt. Um ½ 3 Uhr fand durch Herrn Stadtpfarrer Martin unter Assistenz Herrn Dr. Kaiser und Herrn Professor Schultheis die Weihe der neuen Glocken statt. Sie erhielten die für unsere Stadt und die ganze Gegend so bedeutungsvolle Namen Bonifazius (die größere) und Sturmius (die kleinere d. Glocken.) Nach der ergreifenden Feier wurden auf dem Kirchplatz die „alten“ u. die neuen photographiert.

Sie, die uns schon so manchen Sieg verkünden konnten, müssen nun selbst hinaus ziehen und neue Siege erkämpfen helfen.

[Der Mangel an Buntmetall zwingt zu dieser Maßnahme im ganzen Reich, das als rohstoffarmes Land auf Importe angewiesen war. Gegenstände aus Messing, Kupfer, Zinn und Zink müssen abgeliefert werden. Man benötigte das Material u. a. für Geschosshülsen. Es werden überall sogar kupferne Sudpfannen, Bierkrüge und Bierkrugdeckel aus Zinn beschlagnahmt Auch Zinnpfeifen von Kirchenorgeln wurden abgeliefert.]

 

6.) 1917  30. Aug.

Lehrerinnenwechsel

Die Lehrerin der I. Mädchenklasse, M. Nikoletta Panzer, wird versetzt, nachdem sie 9 Jahre an der hiesigen Mädchenschule u. zwar seit 1. Mai 1910 an der Oberklasse gewirkt hatte. An ihre Stelle trat M. Hereswida Schmid.

 

7.) 1917  9. Sept.

Ferien!

Beginn derselben – voraussichtlich bis 24. September.

 

8.) 1917  21./22. Sept.

Altgummi-Sammlung

Heute sollte Altgummi gesammelt werden. Einige Mädchen der Oberklasse wanderten also zu diesem Zwecke mit ihren Körben von Haus zu Haus. 2 kleine Körbe voll alter Gummibälle, Gummischläuche u.s.w. waren der Erfolg.

 

9.) 1917    Sept.

Kriegs-Schule!

Wer in den gegenwärtigen Ferien die Arbeitsschule besucht, findet eifrige „Schusterinnen“, die gar emsig an der Herstellung ihrer Kriegsschuhe arbeiten, wozu sich alte Stoffreste u. Stroh vorzüglich eignen. Schuhleisten in verschiedener Größe laden zu gleicher Beschäftigung ein. Was doch der Krieg alles lehrt u. wirklich auch zu Wege bringt!

 

10.) 1917 24. Sept.

Ferien! – Kartoffelernte!

Die Ferien vom 9. September wären heute zu Ende. Doch in folge der vielen Arbeit bei so günstiger Witterung wird den oberen 4 Klassen noch mal 8 Tage frei gegeben. Die Eltern wurden aufmerksam gemacht, ihre Arbeiten, zu denen sie die Kinder benötigen, so viel als möglich in dieser Woche zu erledigen. Die 3 unteren Jahrgänge Knaben u. Mädchen haben Schule. Doch darf ihnen, falls auch sie zu kleineren Arbeiten z. B. Kartoffelklauben, erforderl. sind, Nachm. freigegeben werden.

 

11.) 1917 15. Okt.

Schulbeginn

Am 15. Okt. beginnt in allen Schulen wieder der Vor- und Nachmittagsunterricht.

 

12.) 1917 3. Okt.

Kriegsanleihe:

Zum siebten Mal ergeht an das deutsche Volk der Ruf:

Zeichnet Kriegsanleihe! Das Volk soll wieder dazu gebracht werden ihre finanziellen Kräfte in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Um die Lehrerschaft auch diesmal für die Werbetätigkeit zu gewinnen fand am Mittwoch, den 3. Okt. eine Konferenz statt unter Vorsitz des Herrn Regierungsrat Vocke. In allen Schulen setzte reger Eifer ein. Bei 1000 M Kriegsanleihe war den einzelnen Klassen ein schulfreier Tag versprochen worden. Keine Klasse wollte nun zurückbleiben.

Ergebnis dieses Eifers waren 7700 M Stück- u. Sammelzeichung.

 

13.) 1917 18. Okt.

Der in Aussicht gestellte schulfreie Tag.

 

14.) 1917 9. Nov.

Siegfrei!

Durchbruchsschlacht am Isonzo.

[Die Schlachten vom Juni 1915 bis Oktober 1917 am Isonzo waren für beide Seiten – Italiener und Mittelmächte – sehr verlustreich, ehe der Durchbruch belang.]

 

15.) 1917 21. Nov.

Für heute waren 1200 Italiener angemeldet. Zerrissen, erfroren u. halbverhungert bewegte sich um ½ 10 Uhr der traurige Zug am Marktplatz vorbei. Die Gefangenen machten einen kläglichen Eindruck. Die Schuljugend schenkte ihnen Äpfel und Vesperbrot, was mit dankbaren Blicken angenommen wurde. Beiliegend die originelle Zeichnung eines 9jährigen Schülers.

 

16.) 1918 13. Febr.

Lehrerinnenwechsel

M. Othildis Maag, O.S.F. übernimmt für M. Wenefrida Greser d. Unter. in der Unterkl. d. Knaben. M. Rosa gibt d. Abteilungsunt. in d. Vorb. Kl.

16.) 1918 20. Febr.

Goldenes Hochzeitsjubiläum das Königspaares.

Alle Schulkinder wohnten zunächst dem feierlichen Gottesdienste bei. Nach Beendigung desselben fand eine kleine Schulfeier statt, welche mit dem Lied „Wo stolz weiß-blaue Banner wallen“ eröffnet wurde. Das Schulzimmer war zur Verschönerung der Feier einfach dekoriert. Eine Ansprache des Herrn Hauptlehrers Ungemach wies die Kinder auf die Eigenschaften des edlen Herrscherpaares hin. Einige Kinder trugen noch passende Gedichte vor. Mit der Königshymne endete die schlichte Feier.

 

17.) 1918    April

8. Kriegsanleihe.

Schon wieder Kriegsanleihe! Konnte man des öfteren hören. Doch wieder Erwarten fiel dieselbe gut aus.

Den einzelnen Schulklassen war bei 1000 M ein schulfreier Tag in Aussicht gestellt. Das Ergebnis der Schulklassen war 8000 M.

 

18.) 1918 17. April

Der in Aussicht gestellte schulfreie Tag.

 

19.) 1918 10. April

Entlassungsprüfung

der Fortbildungsschülerinnen. Die Schulprüfung fand schon am 25. Febr. statt.

 

20.) 1918    April

Sammelt Haare!

Die Schulkinder bringen die gesammelten Haare in die Schule, von wo aus sie an die hiezu bestimmte Stelle abgeliefert werden. Verwendung derselben zu Riemen, Füllung von Matrazen u.s.w.

 

21.) 1918 15. April

 

Lehrerinnenwechsel

Die Lehrerin der Unterklasse M. Bonaventura Fuchs, O.S.F. tritt von der Schule zurück. Ihre Nachfolgerin ist M. Eunomia Beck.