Hammelburger-Album

 

Schuljahr 1915 - 16

 

1.) 1915 5. Mai

wie 1913 -14

 

2.) Lehrerinnen:

M. Nikoletta Panzer, O.S.F f. d. Oberklasse seit 1. Mai 1910;

M. Demetria Riedlechner, O.S.F f. d. Mittelkl. seit 1. Mai 1910;

M. Bonaventura Fuchs, O.S.F f. d. Unterkl. seit 1. Okt.1914;

M. Kreszentia Schneider, O.S.F Vorb. Knaben u. Mädchen s. 1.10.14

M. Fides Wenig, O.S.F Arbeitslehr. f. O u. U.

 

3.) Schülerzahl im Mai 1915

a. Volkshauptschule:

          Vorbereitungskl. Mädch.28

          Unterkl.       2. Schuljahr29

                              3. “               33

          Mittelkl.      4. “               30

                              5. “               34

          Oberkl.        6. “              

                              7. “                 

                                         Sa                [Die Zahlen fehlen.]

b) Volksfortb.-schule:

                              1. Schuljahr 21

                              2. “               37

                              3. “              24

                                         Sa      82

4.)

So haben wir es halt wieder begonnen, das neue Schuljahr. Ein Kriegsschuljahr wird es sein, schrieb der Schulanzeiger. Wohl sind hier trotz des Krieges die Schulverhältnisse im allgemeinen geregelt; aber wieviele Hemmnisse treten doch einem gedeihlichen Unterrichte entgegen! Wie streng muß selbst bei den Mädchen die Schulzucht gehandhabt werden, gar nicht zu reden von den vielen Störungen, die dem Schulbetrieb aus den Unterrichtsbefreiungen wegen landwirtschaftlicher Notlage erwuchsen.

Im neuen Schuljahr werden der Störungen und Hemmnisse nicht weniger. Doch mit eisernem Willen wollen wir alles in Ordnung halten, was uns anvertraut ist, u. wollen den großen Anforderungen, die die große Zeit auch an uns stellt, gerecht zu werden versuchen.

 

5.) 1915 5. Mai

Das neue Schuljahr nimmt einen glückverheißenden Anfang. Zum erstenmal ertönten bei uns in Hammelburg die Siegesglocken aus Anlaß der großen Durchbruchsschlacht in den Karpathen. Ein Sieg von so weitreichender Bedeutung wird natürlich auch in allen Schulen aufs freudigste begrüßt und gefeiert. Der 5. Mai ist schulfrei.

[Nach wechselvollen Kämpfen wehrten deutsche und österreich-ungarische Truppen in der Winterschlacht in den Karpaten (Dezember 1914 bis April 1915) einen drohenden Einfall russischer Truppen über die Karpaten nach Ungarn ab.]

 

6.) 1915 3. Juni

Durch schulbehördliche Verfügung wird hier vom 4. Juni ab während der Dauer der notwendigen Feldarbeiten die tägliche Unterrichtszeit auf vier Vormittagsstunden herabgesetzt. Es sollen dadurch die Unterrichtsstörungen beschränkt werden, die durch die notwendig werdenden Befreiungen vom Schulbesuche entstehen. Vom 4. Juni ab beginnt infolgedessen der Schulgottesdienst um 6 h; Unterrichtszeit täglich von 7 – 11 h = 24 Wochenstd. In Wegfall kommen während dieser Zeit die Fertigkeiten: Zeichnen 2 Std., Turnen 1 Std., Handarb. 3 Std. = 6 Wochenstd.

 

7.) 1915 4. Juni

Przemysl wurde von den Deutschen und Österreichern zurückerobert: Drum ist von 10 h ab siegfrei.

[In Przemysl, ca. 250 km südlich von Warschau, gingen im März 1915 zunächst 110.000 österreichisch-ungarische Soldaten in russische Gefangenschaft. Sogar der Zar besuchte daraufhin die Stadt. Danach führte eine Gegenoffensive u. a. zur Einnahme von Przemysl, Warschau, Brest-Litowsk, Grodno und Wilna. Dann geriet der Krieg im Osten allerdings zum Stellungskrieg. Die Russen waren nicht geschlagen.]

 

8.) 1915 24. Juni

Abermals hallt Siegesjubel durch die Lande. Auch die galizische Hauptstadt ist wieder unser.

[Es handelt sich um Lemberg, die Hauptstadt des damaligen österreichisch-ungarischen Kronlandes Galizien. Die schwere Niederlage der zaristischen Armee entlastet die Donaumonarchie vom Druck der russischen Armeen.]

„Da haben wir wieder siegfrei,“ mutmaßt unsere Jugend, die gewohnt ist, die Größe eines Sieges mit diesem Maßstab zu messen. Und sie hatte recht. Nach dem Schulgottesdienst versammelte sich die gesamte Schuljugend auf dem Kirchplatz, wo durch Hw. H. Stadtpfarrer die Bedeutung des Sieges in einer Ansprache gewürdigt wurde. Der Vortrag patriotischer Lieder schloß sich an u. unter Gesang ging’s dann im Marsch zum Marktplatz, wo sich die siegesfrohe Schar unter begeisterten Hoch- und Hurrarufen zerstreute.

 

9.) 1915 18. Juli

Beginn der Ernteferien. Sie dauern bis 15./8.

 

10.) 1915 5. Aug.

Die Siegesglocken läuten: Warschau ist gefallen.

 

1915 28. Aug.

Wieder Siegesgeläute am Abend d. 27. Dazu Parademusik auf dem Marktplatz. Der Samstag ist schulfrei. Unsere Tapferen nahmen auf ihrem Siegeszug Brest-Litowsk.

 

11.) 1915 30. Aug. mit 4. Sept.

Die Lehrerinnen der Mittel- u. Oberkl. beteiligten sich an dem Turnkurs, dem ersten, der in Würzburg zur Ausbildung von Volksschullehrerinnen für den Turnunterricht abgehalten wurde.

 

12.) 1915 20. Sept. mit 3. Okt.

Herbstferien

 

13. Okt. mit 13. Okt.

Weinleseferien

Im Oktober begann auch wieder der regelmäßige Unterricht, Vor- und Nachmittagsschule.

 

13.) 1915 8. Nov.

Nisch ist gefallen; schulfrei.

[Niš deutsch Nisch, ist die zweitgrößte Stadt im zentralen Serbien.]

 

14.) 1915 6. Nov.

Marschierte vom Lager wieder ein neuzusammengestelltes Bataillon ab. Die Ausrückenden hatten das ganz besondere Interesse der Kinder, da sich unter denselben Herr Lehrer Herbst befand, der, vom Typhus vollständig genesen, wieder ins Feld zog. Ihnen sollte auch noch eine Freude bereitet werden. Als darum am Morgen in den Schulen der Vorschlag gemacht wurde, die Kinder sollen auf ihren Pauseapfel zugunsten der Ausziehenden verzichten, da war alles Feuer und Flamme. Die Pauseäpfel waren ihnen nicht genug. Um10 h eilten viele heim und baten die Mutter um mehr. Freudestrahlend kamen sie mit Täschchen u. Körbchen voll Äpfel, einige auch mit Nüssen. Das Ergebnis waren drei Waschkörbe voll Obst, die eine Abordnung hinaustragen u. verteilen durfte.

 

15.) 1915 14. Dez.

Auf dem Lager ist unter den Gefangenen ein Pockenfall aufgetreten. Infolgedessen mussten sich alle Kinder vom 5. bis 12. Lebensjahrs u. die gefährdeten Erwachsenen der Schutzpockenimpfung unterziehen. Acht Tage später Besichtigung der Impfblattern in den Schulen und Vortrag über die Schutzpockenimpfung durch H. Bezirksarzt Dürig.

[Gegen Pocken gibt es kein bekanntes Heilmittel, nur eine vorbeugende Impfung.]

 

16.) Weihnachten

Der Verein vom Roten Kreuz veranstaltete eine kleine Christbescherung für ungefähr 50 arme Kriegerkinder. Jedes der Mädchen wurde mit Hemdenstoff oder einem Schürzchen bedacht, die Knaben mit einem fertigen Hemd. Dazu erhielt jedes noch einige Äpfel u. Lebkuchen. Die schlichte Feier, die durch Lieder verschönt wurde, fand in der Arbeitschule statt.

Am Heiligen Abend mußte eine Maschinengewehr-Abteilung ins Feld. Um den Armen, denen der Abschied von der Heimat an diesem Tage wohl besonders schwer fiel, eine kleine Freude zu bereiten, wurden Weihnachtspäckchen für sie gerichtet u. mit einem Tannenzweig sinnig geschmückt.